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FOKUS DEUTSCH
Episode 34


ANNENBERG ANNC.
MUSIC AND CREDITS
TITLE

with
Dr. Robert Di Donato
Miami University
Oxford, Ohio

and
Susanne Dyrchs


DOCUMENTARIES

"Typisch deutsch?"

:37

PROFESSOR:

Wie sehen Leute aus anderen Ländern Deutschland? Pünktlichkeit, Sauberkeit, Ordnung-- das kennen wir schon...

ERGÜN ÇEVIK:

Samstags ist in Deutschland Putztag. Mein Name ist Ergün Çevik. Ich bin Türke und lebe schon lange in Deutschland. Das erste, was mir zu Deutschland einfällt, ist Sauberkeit, Ordnung und Pünktlichkeit. Für mich zeigt sich in einem Schrebergarten die deutsche Seele.

2:14

Und diese Genauigkeit: Verkehrsschilder an einem solchen Ort... Die Schilder muss man unbedingt beachten. Sonst bekommt man Ärger. Also, runter vom Fahrrad. Oder nicht. Bei Rot stehen, bei Grün gehen. Ganz wichtig. Damit sich alle an die Regeln halten, ist alles beschildert.

3:14

Natürlich hat diese Liebe zur Genauigkeit und Ordnung auch Vorteile. Zum Beispiel, die Fahrpläne werden eingehalten. Der Deutsche plant seine Zeit. Ein Terminkalender ist eine sehr wichtige Sache. Alles wird vorher vereinbart, zum Beispiel ein Friseurbesuch.

FRISEURIN

...Wunderbar. Gut, Herr Klosk, das wäre dann der 5.Juni um 13 Uhr. Wiederhören.

ERGÜN:

Grüss Gott!

FRISEURIN:

Tag Herr Çevik.

ERGÜN:

Ich habe einen Termin.

FRISEURIN:

Ja, genau. Beim Dieter. Nehmen Sie bitte da drüben Platz.

ERGÜN:

Danke.

4:07

Wenn du eine Verabredung mit einem Deutschen hast, verspäte dich nie länger als fünf Minuten.

Hey, du kommst zu spät.

FREUND:

Hör mal, das sind gerade mal zehn Minuten.

ERGÜN:

Ich musste warten.

FREUND:

Der Bus hatte Verspätung.

ERGÜN:

Dann musst du früher losgehen.

FREUND:

Du bist ja schlimmer als ein Deutscher.

ERGÜN:

Nun ja, in Deutschland sagt man auch, die Ausnahme bestätigt die Regel.

PROFESSOR:

... Sauerkraut und Schweinebraten - stimmt das eigentlich? Heute isst man Pizza, Döner, Moussaka, Tabouli und Pad Thai. Essen in Deutschland ist multikultureller geworden. Diese Folge stellt dar, dass sich viele Deutsche inzwischen vom stereotypischen Sauerkraut und Schweinebraten entfernt haben.

 

"Vom Sauerkraut zur Pizza"

5:20

ERZÄHLER:

Ein Fernsehkoch in den 50er Jahren. Die typische deutsche Küche gibt es nicht. Aber es gibt einige Gerichte, die doch typisch deutsch sind. Schweinshaxe mit Knödeln, Bratwürste, Brathähnchen, Koteletts und Schnitzel. In den 50er Jahren hatte in Deutschland eine Zeit des Wohlstands begonnen. Die Industrie wuchs und die Unternehmen suchten dringend neue Arbeitskräfte.

So kamen in den 60er Jahren Hunderttausendevon ausländischen Arbeitern nach Deutschland. Sie kamen zunächst aus Italien, später auch aus Spanien, Portugal, Jugoslawien, Griechenland und der Türkei.

6:32

Die Ausländer brachten auch ihre Lebens- und Essgewohnheiten mit nach Deutschland. Und auch ihre Lebensmittel, zum Beispiel Zucchini, Artischocken, Knoblauch, Oliven oder Lammfleisch.

Viele Ausländer, die damals kamen, blieben für immer. Einige von ihnen eröffneten Restaurants. Neben den vielen Restaurants aus den europäischen Nachbarländern gibt es auch andere, zum Beispiel syrische, chinesische und thailändische. Die ausländische Küche hat auch die Essgewohnheiten der Deutschen verändert.

PROFESSOR:

Ausländer haben aber nicht nur die deutsche Küche beeinflusst. Sie haben Deutschland auch zu einem multikulturellen Land gemacht.

8:24

ANJA:

Wenn man heute in Berlin lebt und die vielen Ausländer sieht die ausländische Restaurants eröffnen, in der Kulturszene tätig sind, aber auch ganz normale Leben führen, denke ich, dass unser Leben nur reicher werden kann.

SUSANNE:

Ja, ich denke schon, dass Deutschland zu einer multikulturellen Gesellschaft geworden ist oder immer noch wird. Also gerade durch diese Europäische Union und durch die vielen Einwanderer aus der Türkei und aus Griechenland und viele kommen auch neuerdings aus Frankreich, aus Belgien und das ist schon ein schönes Gefühl für mich also wenn die Klassen international werden die Schule. Und wenn man viele Sprachen hört, wenn es internationales Essen gibt-- Gerichte.

DANIELA:

Zu Österreich haben Ausländer sehr viel beigetragen. Erstens kulturell. Es gibt sehr viele verschiedene Aktivitäten oder Theateraufführungen oder musikalische Aufführungen von Leuten aus verschiedenen Ländern. Das Essen auch, es gibt viel mehr Restaurants mit ausländischer Küche, was es früher nicht gegeben hat. Und natürlich tragen sie sehr viel zu der wirtschaftlichen Situation bei, weil sie Arbeiten annehmen, die Österreicher nicht annehmen würden.

9:45

PROFESSOR:

Die meisten Deutschen heissen die multikulturelle Gesellschaft willkommen, andere müssen sich noch an diese Entwicklung gewöhnen.

ANJA:

Grace, welche persönlichen Erfahrungen hast du mit Ausländerfeindlichkeit in Deutschland gemacht?

GRACE:

Eigentlich gar nicht so viele. Ab und zu. Einmal am Flughafen, als ich von dem Urlaub wiederkam und an der Passkontrolle wurde ich gefragt nach meinem Pass. Und ich stand in der Schlange mit dem Euro-Pass halt, und der Beamte meinte noch so: "Na ja, also Ausländer müssen da drüben hin." Und ich hab zu ihm noch gesagt: "Ja, ich bin aber Deutsche." Und er meinte so: "Aber du bist doch schwarz." Und ich meinte dann zu ihm: "Hätten Sie etwas dagegen mich zu siezen?" Und er meinte so: "Schwarze braucht man nicht zu siezen." Und ich weiss noch wie ich darauf reagiert habe, ich hab gesagt "Gut, dann duze ich dich eben auch. Guck dir meinen Pass an und lass mich durch!"

ANJA:

Hmmm.

10:46

GRACE:

Aber allzu oft ist es glaube ich gar nicht vorgekommen. Ich glaube die meisten Leute, nachdem sie mich sprechen gehört haben, haben einfach angenommen, dass ich Deutsche bin. Ich meine es gibt immer noch Fragen: "Ja, wo haben Sie denn so gut Deutsch gelernt?" Oder: "Wie kommt das denn, dass Sie überhaupt keinen Akzent haben?" Aber es gibt immer ganz gute Antworten dazu, zum Beispiel die Eltern haben Flitterwochen in Deutschland gemacht, nicht wahr?

GÜRKAN:

Ich sag mal, ein Verwandter vielleicht mal. Der hat mir erzählt, im Bus wollte er einsteigen. Er wusste nicht, was zum Beispiel eine Fahrkarte kostet. Er hat einen.... Geld hingelegt bei dem Busfahrer und der Busfahrer daraufhin, weil das zu wenig war das Geld, hat diese Dame dann total angemacht: "Ausländer," und so weiter: "Ihr versteht kein Deutsch, Ihr müsst erst mal Deutsch lernen," und so weiter. Und das ist nicht gut.

11:39

ANJA:

Die Gründe für die Ausländerfeindlichkeit in Deutschland sehe ich vorrangig in der Nichtakzeptanz, der rechtlichen Nichtakzeptanz von Ausländern. Es kann nicht sein, dass ein Ausländer in Deutschland wohnt, sogar dort geboren ist und gar kein Ausländer ist, doch aber den Status eines Ausländers hat. Man kann nicht 30 Jahre in Deutschland wohnen und nicht das Recht haben zu wählen oder andere Rechte, die Deutsche haben.

KLAUS:

Im Grunde muss man sagen, dass Ausländer ja in ein Land kommen entweder weil sie das Bedürfnis haben, weil sie die Notwendigkeit sehen, weil sie Asyl brauchen, aus anderen Ländern fortgehen oder weil sie in diesem Land gebraucht werden. Und in beiden Fällen glaube ich, dass man den Ausländern gegenüber sehr aufgeschlossen und unvoreingenommen gegenüber stehen muss. Es gibt glaube ich wenig Leute, die in ein anderes Land gehen ohne eine Notwendigkeit für einen solchen Schritt zu haben.

 

12:46 END


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