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FOKUS DEUTSCH
Episode 29


INTRO

12:44

PROFESSOR:

Was verbinden Sie mit Wirtschaft? Schuften und sich abrackern, oder erfolgreich sein und Gewinn machen?

ANJA:

Ich arbeite als Deutschlehrerin am Goethe Institut. Und ich habe diese Stelle gefunden weil ich einen Vortrag über Wolf Biermann gehalten habe und der Vortrag hat sehr gut gefallen, und ich habe weitergearbeitet als Lehrerin.

GÜRKAN:

Ich habe 1988 mich mit zwei anderen Studenten selbständig gemacht, als Student. Wir hatten damals ein Reisebüro gegründet, ganz neu, und dieses Reisebüro das führe ich immer noch, seit neun Jahren, immer noch.

ERIKA:

Ich bin eine Malerin. Und um eine Malerin - um Maler zu werden, bin ich eben zu einer Kunstschule gegangen, zu verschiedenen Kunstschulen und man muss eben auch viel zu Museen gehen. Und jeden Morgen fahre ich mit dem Auto in mein Atelier und male den ganzen Tag lang.

PROFESSOR:

Sie haben sicherlich vom Wirtschaftswunder gehört. Aber wie hat das alles begonnen? In dieser Folge sehen Sie Deutschland auf dem Wege zu einer starken Wirtschaft. Diese Entwicklung war und ist nicht ohne Probleme: hohe Steuern, Arbeitslosigkeit, um zwei zu nennen.

 

DOCUMENTARIES

"Wirtschaft im Wandel"

14:24

PROFESSOR:

Nach dem zweiten Weltkrieg musste die Infrastruktur in Deutschland wieder aufgebaut werden. Man arbeitete vor allem an der Autobahn und am Wiederaufbau der Industrie.

ERZÄHLER:

Die 50er Jahre sind die Jahre des wirtschaftlichen Aufschwungs in Deutschland. Die meisten Deutschen arbeiteten damals in der Industrie, vor allem in der Automobilindustrie. 1955 wird der millionste Volkswagen hergestellt. Jetzt kaufen sich viele Familien ihr erstes Auto, den ersten Kühlschrank und den ersten Fernseher.

15:29

In den 60er Jahren werden viele neue Maschinen eingesetzt. Aber noch haben alle Arbeit, zum Beispiel in der Textilindustrie, in der chemischen Industrie oder bei der Herstellung des Volkswagens. 25 Prozent aller deutschen Industrieprodukte werden exportiert.

16:18

Zu Beginn der 70er Jahre kommen die Roboter in die Fabriken. Die Zahle der Arbeitsplätze in der Industrie nimmt ab.

In den 80er Jahren waren in der Bundesrepublik fast zwei Millionen Menschen arbeitslos. Viele mussten in eine andere Stadt ziehen, um eine neue Arbeit zu finden. Neue Arbeitsplätze gibt es vor allem im Gesundheitswesen, bei Banken und Versicherungen, in Bildung und Wissenschaft und im Verkehrswesen.

17:28

Dennoch steigt die Zahl der Arbeitslosen in den 90er Jahren weiter an. Die Berufe wandeln sich heute immer schneller. Neue Kommunikations-- techniken und Computer verändern die Arbeit und das Leben der Menschen.

PROFESSOR:

Und was bedeutet das heute für Jugendliche, die sich für einen Beruf entscheiden müssen?

18:12

SUSANNE:

Erstmal wählen die Jugendlichen, die ich kenne, nicht direkt einen bestimmten Beruf sondern zur Zeit eher Berufsfelder, weil, ja, durch die Globalisierung und durch diese neue Art der Wirtschaft ist es ja so, dass man nicht mehr einen Beruf wählt und ständig in diesem Beruf verharrt, sondern dass man eher sehr, ja... mobil sein muss.

STEFAN:

Traditionell ändern Schweizer ihre Berufe eher selten. Aber in modernen Zeiten müssen sie sich auch anpassen und wahrscheinlich von Beruf zu Beruf springen.

DANIELA:

In Österreich ist es sehr untypisch den Beruf drei- oder siebenmal zu wechseln. Es ist normalerweise sehr "traditionell." Das heisst man erlernt einen Beruf und man übt diesen Beruf für die nächsten 30 bis 50 Jahre aus.

ANJA:

Ich denke der Grund für Deutsche so lange wie möglich auf ihrem Arbeitsplatz zu bleiben und in derselben Firma zu arbeiten, ist einfach, dass durch die steigende Jahreszahl-- die steigende Zahl der Jahre in der sie in der Firma arbeiten, die Rente, die Pension mitträgt. Je länger man in einer Firma arbeitet, desto mehr Geld kann man erhalten wenn man berentet ist. Und es wäre für viele dumm, alle fünf Jahre eine neue Firma... in einer neuen Firma zu arbeiten.

 

"Hilfe für Arbeitslose"

19:40

PROFESSOR:

Für Arbeitslose gibt es aber auch Hilfe, nämlich Monika Schneider, Arbeitsvermittlerin in Köln. Sie hilft Leuten, eine Stelle zu finden.

ERZÄHLER:

Ein Arbeitsamt in Köln. Menschen, die hierher kommen, suchen meistens eine Arbeitsstelle. Das ist Monika Schneider. Sie ist Arbeitsvermittlerin beim Arbeitsamt in Köln. Ihre Aufgabe ist es für Arbeitsuchende und Arbeitslose Stellen zu finden.

20:29

MONIKA:

Ach, kommen Sie doch bitte herein. Guten Tag, mein Name ist Schneider.

HERR WEINART:

Mein Name ist Weinert, ich bin Elektromeister. Ich suche eine neue Arbeitsstelle.

MONIKA:

Sind Sie schon lange arbeitslos?

HERR WEINART:

Ungefähr ein halbes Jahr.

MINKA:

Tja, also... In Köln ist es im Moment sehr schwierig, eine neue Stelle zu finden als Elektromeister.

HERR WEINART:

Was kann man denn da machen?

MONIKA:

Die einzige Möglichkeit, die ich für Sie sehe, ist in eine andere Stadt zu ziehen. Haben Sie sich das schon mal überlegt?

HERR WEINART:

Das müsste ich mir noch mal überlegen. Ich weiss nicht, ob meine Frau damit einverstanden sein wird.

MONIKA:

Das kann ich verstehen. Wenn Sie zu einer Entscheidung gekommen sind, können Sie mir bitte dieses Formular ausfüllen und an mich zurückschicken. Dann kann ich Ihnen Bescheid geben in welcher Stadt Elektromeister gesucht werden.

HERR WEINART:

Gut.

MONIKA:

Ja? Okay.

HERR WEINART:

Vielen Dank. Auf Wiedersehen.

21:24

ERZÄHLER:

Monika Schneider sucht auch den direkten Kontakt zu den Unternehmen. Wenn ein Betrieb eine freie Stelle beim Arbeitsamt meldet, fährt Monika Schneider dorthin. Heute informiert sie sich bei einem Apotheker, der eine Mitarbeiterin sucht.

MONIKA:

Guten Tag.

HERR KLOOS:

Guten Tag, Frau Schneider. Nehmen Sie schon mal Platz, ich komme dann sofort. Würden Sie die Dame weiterbedienen? So...

MONIKA:

So, Herr Kloos. Ich habe für Sie zwei Bewerberinnen gefunden.

HERR KLOOS:

Ja, wunderbar...

MONIKA:

Sie suchen ja dringend eine Apothekenhelferin. Es ist einmal die Frau Fechtner... und einmal die Frau Liebermann. Beides gelernte Apothekenhelferinnen mit viel Berufserfahrung.

HERR KLOOS:

EDV-Erfahrung haben beide Damen?

MONIKA:

Ja, beide haben schon mit EDV gearbeitet.

HERR KLOOS:

Dann mache ich Termine mit beiden Damen und verständige Sie dann hinterher über meine Entscheidung?

MONIKA:

Ja, das wäre am besten.

22:37

ERZÄHLER:

Jetzt hat Monika Schneider einen Termin bei einem Handelsunternehmen.

HERR LEBENDIG:

Nehmen Sie bitte Platz.

MONIKA:

Ja, danke schön. Ja, Herr Lebendig, sie hatten mich angerufen. Sie suchen einen Gross- und Aussenhandelskaufmann.

HERR LEBENDIG:

Ja, das stimmt.

MONIKA:

Welche Kenntnisse soll der Bewerber denn mitbringen?

HERR LEBENDIG:

Also, der Bewerber, der sollte nicht älter als dreissig Jahre sein, er sollte eine abgeschlossene Berufsausbildung haben...

MONIKA:

Sie sagten, der Bewerber wird hier im Betrieb eingearbeitet?

HERR LEBENDIG:

Ja.

MONIKA:

Wäre es möglich, dass sie mir den Arbeitsplatz zeigen?

HERR LEBENDIG:

Das mach ich gerne.

PROFESSOR:

Obwohl viele durch Monika Schneiders Hilfe eine Stelle bekommen, bleibt die Arbeitslosigkeit ein grosses Problem.

MONIKA:

Ja, dann hoffe ich, dass derjenige dann auch bald anfangen kann.

HERR LEBENDIG:

Ja gut, ich bedanke mich.

23:39

ANJA:

Die Arbeitslosigkeit heutzutage in Deutschland ist denke ich das grösste Problem das wir haben. Wenn eine Familie arbeitslos ist, geht es ihr nicht gut. Sie wird unzufrieden und sie beeinflusst damit auch ihre Umwelt. Und Unzufriedenheit ist der Grund für andere Probleme. In meiner Familie gibt es sehr viele arbeitslose Personen. Mein Vater und meine Mutter werden bald Rentner sein und sie werden nicht hohe Renten bekommen weil die Jahre, die sie in der DDR gearbeitet haben, nicht angerechnet werden. Viele meiner Verwandten sind arbeitslos, und sie haben ihre Arbeit verloren nachdem die Mauer gefallen ist. Es geht ihnen nicht gut. Sie können die Früchte ihrer Arbeit nicht geniessen.

24:26

GÜRKAN:

Arbeitsleben generell, denke ich mir, in Deutschland schwierig. Es wird... es gibt immer mehr Arbeitslose, zur Zeit über vier Millionen. Meinerseits könnte ich mir nie vorstellen, dass ich Arbeitsloser bin, denn ich habe mich vom Studium aus an, oder von Kind an, daran gewöhnt, selbständig zu sein.

STEFAN:

Die Arbeitslage in Europa ist sehr kritisch. Weltweit ist sie sehr, sehr kritisch. Aber besonders in der Schweiz sind die Leute alarmiert. Die Schweizer haben die Tendenz, alles zu übertreiben. Sie haben Angst, und wenn man Fernsehen schaut, sieht man täglich ja die Arbeitslosenzahlen steigen. Alles wird schlechter, man verdient weniger Geld, und alle Leute haben davor Angst.

PROFESSOR:

Die Welt der Arbeit hat sich in Deutschland sehr verändert: Arbeitslosigkeit und Kürzung der Sozialleistungen, aber auch flexible Arbeitszeiten und mehr Mobilität. Deutsche müssen sich mehr und mehr an diese Veränderungen gewöhnen.

 

25:42 END


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